Als ich kürzlich eine Netzhautablösung erlitt und mich einer grösseren Augenoperation unterziehen musste, lernte ich den Nutzen der Spitzenmedizin schätzen. Phantastisch, wie heute die Ärzte ein Leiden heilen können, das noch vor wenigen Jahrzehnten zur Erblindung geführt hätte! Die Operation brachte mir auch Einsichten in eine ganz besondere Seite unseres Gesundheitswesens, die Medikamentenabgabe. Der operierende Arzt hat mir bis Ende Jahr rezeptpflichtige Augentropfen verschrieben, Indophtal, und dafür ein Rezept ausgestellt. Er hätte mir die Tropfen vielleicht auch gleich für Fr. 27 mitgeben können, aber ich musste zur Apotheke wandern. Und da spielte sich ein eigenartiges Ritual ab. Eigentlich hätte die Pharmaassistentin nur meine Identität prüfen müssen, ob sie mit dem Namen auf dem Rezept übereinstimmt, und mir dann die Sache aushändigen können. Tarmed sei dank tat sie aber mehr. Sie setzt eine prüfenden Blick auf, fragt, ob ich auch wirklich Indophtal wolle, tauschte ein kurzes Wort mit der Apothekerin aus, die ebenfalls für eine Sekunde prüfend dreinschaute, dann holt sie das Fläschchen und verkauft es mir zum Preis von 27 Franken plus 7 Franken für den Medicheck. Ein Zuschlag von 25 % für - ja, für was eigentlich? Für ziemlich nichts. Oder doch, etwas haben mir die sieben Franken gebracht. Ich weiss nun, wie ich im Nationalrat die Gesundheitskosten um über 20 % senken könnte!