Aufgeschreckt durch die hohe Zahl an Personen, die anstelle des Militärdienstes Zivildienst leisten wollen, werden Forderungen nach einer erneuten Einführung der Gewissensprüfung laut.
Sicher ist mit dem Wegfall der Gewissensprüfung die Hürde kleiner geworden. Die höhere Zahl der Zivildienstwilligen lässt sich daher mit zwei wesentlichen Faktoren erklären.
Einige Personen zusätzlich entscheiden sich für die Variante Zivildienst, weil der Weg dazu einfacher geworden ist.
Einige Personen haben bis zur Änderung des Verfahrens gewartet und reichen nun das Gesuch ein.
Besonders stossend empfinden viele Leute, dass während der Rekrutenschule ca. 1300 Gesuche gestellt wurden. Kritisiert wird, dass viele Jugendliche verweichlicht sind, und bei der erst besten Gelegenheit dann die einfachere bequemere Variante wählen.
Vergessen geht hier, dass viele Jugendlich über den „Blauen Brief“ ausgemustert werden. Wesentlich mehr, als Personen, die die Zivildienstvariante wählen. Schaut man wie viele Jugendliche sich Sportclubs engagieren und jeweils bis ans Limit gehen, stimmt die Verweichlichungstheorie nur bedingt. Vermutlich hat es viel eher damit zu tun, dass die im Militär zur Anwendung gelangenden Sozialstrukturen in einer individualisierten Gesellschaft nicht mehr im gleichen Masse verankert sind.
Von ca. 44'000 20 jährigen Männern in der Schweiz leisten 24'000 Militärdienst. Die Zahl verteilt sich folgender massen:
47'400 20 jährige Männer
32'400 20 jährige Schweizer Männer (
bfs.admin.ch)
1’948 leisten Zivildienst (
zivildienst.ch)
23’940 leisten Militärdienst (
admin.ch)
6'512 untauglich Ausmusterung via „Blauer Brief“
Bevor man sich über die steigenden Zivildienstgesuche beunruhigt, wäre vermutlich zuerst Beunruhigung sinnvoll bezüglich der Frage, was mit den 15'000 ausländischen Jugendlichen ist, oder wie man die 6'512 untauglichen besser integrieren könnte.