Es lässt aufhorchen, dass die SBB immer mehr Videokameras installiert. In ihrer Medienmitteilung vom 9. Juni schreibt die SBB u.a.: "In den Regionalzügen der SBB sind heute rund 400 Wagen mit Videoüberwachungssystemen ausgerüstet; ältere Wagen werden schrittweise nachgerüstet, neues Rollmaterial im Regionalverkehr ist heute serienmässig mit Videoüberwachung ausgerüstet."
Seltsam ist zudem, dass die SBB in ihrer Medienmitteilung offen lässt, ob und wie viele ihrer weiteren Bahnhöfe bis Ende 2010 mit Videokameras ausgerüstet werden. Denn bis jetzt sind es 27 Bahnhöfe, die die SBB überwacht. 10 weitere Bahnhöfe werden durch Gemeinden überwacht.
Warum werden hier keine Zahlen auf den Tisch gelegt?
Es scheint, als wäre es für die SBB legitim, ihre Reisenden immer mehr mit Videokameras zu überwachen.
Aber: ein Grossteil der Reisenden verübt überhaupt keine kriminellen Taten; weder Gewaltanwendungen noch Vandalenakte.
Trotzdem werden sie je länger je mehr "serienmässig" überwacht. Geht der Trend so weiter, wird es eines Tages möglich sein,
eine Person von Beginn bis zum Ende seiner Reise lückenlos zu überwachen. Die Videokamera wird dann aufzeichnen, was er am Kiosk kauft, was sie isst, welche Zeitung er im Zug liest, mit wem sie sich unterhält.
Es wird also keine Minute im Bahnhofsareal oder Zug mehr geben, wo nicht eine Kamera auf ihn oder sie gerichtet ist, mit Ausnahme vielleicht der Toilette, falls sie funktioniert.
Diese Entwicklung geschieht schleichend. Dabei wird immer wieder das Argument der Sicherheit in den Vorgergrund gestellt. Doch der brutale Überfall von Jugendlichen auf Jugendliche im Bahnhof Kreuzlingen hat gezeigt, wie wenig Videokameras wirklich helfen. Zwar wurden die Täter dank der aufgezeichneten Bilder erwischt, doch den Opfern half dies während der Tat wenig. Sie wurden trotzdem zusammengeschlagen.
Hier wird sichtbar, wie falsch die Strategie der SBB ist, Personal auf den Bahnhöfen abzubauen. Bei Gewaltakten könnten nämlich
Angestellte an den Bahnhöfen eingreifen oder zumindest schnell Hilfe holen. Das wäre besser und sinnvoller, als einfach Videokameras auf Geisterbahnhöfen zu installieren.
Solange nicht eine breite Öffentlichkeit gegen dieses Vorgehen der SBB reklamiert, wird diese Entwicklung des Stellenabbaus auf den Bahnhöfen und der lückenlosen Videoüberwachnung von Reisenden durch die SBB weiter gehen.