Interview: Andy Schindler-Walch
Wie gehen Sie momentan persönlich mit dem Druck um, der auf Ihrer Person lastet? Ich denke an all die Anfragen, die Hearings mit den Bundeshausfraktionen, die ganze Geschichte mit der Gruppe 13.
Das ist kein grosses Problem. Ich bin an Druck gewöhnt und ich lese, seit ich von der Fraktion nominiert worden bin, einfach keine Zeitungen und höre keine Medien mehr. Dann ist der Druck nicht so gross.
Wann konnten Sie zum letzten Mal richtig lachen?
Vor 10 Minuten
Worüber?
Ich habe meine ehemaligen Mitarbeiter gesehen, und da haben wir über einen Witz gelacht, aber ich weiss nicht mehr, über welchen.
Was macht für Sie die Faszination aus, Bundesrat werden zu wollen?
Das ist keine Faszination für mich, sondern eine Aufgabe, die sehr viel Respekt erfordert. Nein, eine Faszination ist es nicht. Es ist eine Herausforderung in dem Umfeld für jemanden von der SVP, die mir nicht Angst macht, aber sie ist näher bei der Angst als bei der Faszination.
Haben Sie eine Vorstellung, wie Sie dieser Angst begegnen, wenn Sie Bundesrat werden?
Ich denke, es ist jeden Tag eine Herausforderung, das Beste aus diesem Job zu machen. Und ich gehöre nicht zu denen, die sagen: ‚Juhui, das ist schön!’ Sondern ich überlege mir, wie machst du es jeden Tag. Mitglied einer Landesregierung zu sein, ist mehr als ein bisschen Wohlfühloase. Ich denke, das ist wirklich etwas, was zum Strengsten in unserem Land gehört.
Was wäre Ihre erste Amtshandlung als neuer Bundesrat?
Die direkten Mitarbeiter kennen lernen. Das ist immer das Erste, weil man diese Aufgabe ja nicht allein erfüllen kann, sondern nur zusammen mit den Leuten. Ich würde mir die erste Stunde einräumen, um alle kennen zu lernen. Und zwar nicht nur den Namen, sondern auch was sie machen, woher sie kommen und ihr Umfeld kennen lernen.
Haben Sie ein Wunschdepartement?
Nein, eigentlich nicht. Das steht am Amtsjüngsten sowieso nicht zu, sondern der nimmt, was bleibt.
Weihnachten ist ja auch das Fest der Versöhnung. Falls Sie zum Bundesrat gewählt werden, wie würden Sie zum ersten Mal Frau Widmer-Schlumpf begegnen?
Ich denke, das ist kein Problem. Weder für sie noch für mich.
Was würden Sie ihr sagen?
Grüezi.
Und dann?
Ich finde die Fragestellung ein wenig komisch. Alle erwarten quasi, ich müsste mich entschuldigen. Ich meine, wenn sich jemand entschuldigen müsste, dann müsste sie sich eigentlich entschuldigen, denn sie hat mich ins Leere laufen lassen, nicht ich sie. Und ich hätte ihr nachher einfach gesagt, was Sache ist. Aber ich denke, eben gerade weil die Ausgangslage so ist, braucht es eigentlich keine weiteren Worte. Sondern wir wären im gleichen Rat und hätten uns für die gleichen Ziele einzusetzen. Ich denke, das ist bei ihr gleich.
Foto: SVP Zürich, Pressefoto