Man erinnert sich: Die USA wollten die UBS wegen kriminellen Tätigkeiten einklagen. Die Klage hätte die UBS vermutlich in den Bankrott getrieben. Mitten im Streit zwischen Schweiz und USA erinnert sich der schweizerische Bundesrat, dass die «Tinner-Akten» ja gar nicht geschreddert, sondern in einem Safe aufbewahrt worden sind. Die Wende kam sofort: Die USA verzichten auf eine Klage, es wird verhandelt, die Schweiz bringt ein Opfer und liefert 4450 UBS-Kundendaten an die USA. Kein einziger UBS-Banker wird angeklagt. Am 26. Juli berichtet die Tagespresse, dass zwischen der Schweiz und den USA wieder alles im Butter sei und dass die UBS keine weiteren Klagen zu befürchten hat. Die kriminellen Machenschaften einiger UBS-Banker in den USA werden ad acta gelegt. Was geht da vor sich?
Die Brüder Urs und Marco Tinner sind die Hauptakteure in einem krassen Fall von Atomschmuggel. In der Schweiz sassen sie kurz in Untersuchungshaft, beide sind aber wieder auf freiem Fuss. Mehr als seltsam ist: Noch während der U-Haft (2007) liess der Bundesrat(!) angeblich einen grossen Teil der Gerichtsakten vernichten «aus Sicherheitsgründen». Den Tinners wird vorgeworfen zusammen mit Vater Friedrich Tinner am Bau von Teilen für eine libysche Atombombe beteiligt gewesen zu sein. Nur, wenn das stimmen würde, wären die Tinners mit Sicherheit noch immer in Haft. Und die Tinner-Akten hätten nicht die Brisanz um die amerikanische Justiz zu einem Kuhhandel zu zwingen. Auch eine nachgereichte Erklärung die Tinners hätten dem CIA Informationen geliefert, die schliesslich dazu geführt haben, dass die Libyer ihr Atomprogramm stoppen mussten, ist mehr als widersprüchlich. Akten zu dieser Version der Atomschmuggel-Geschichte müssten nicht geschreddert werden. Auch dass der Gerichtshof für Menschnrechte sich im April 2010 überraschend auf die Seite der Tinners geschlagen hat und die Schweiz Gefahr läuft, die Tinners für die U-Haft entschädigen zu müssen ist doch eher «very strange».
Sinn machen tut die ganze Geschichte eigentlich nur, wenn man hypothetisch denkt und davon ausgeht, die Tinners haben tatsächlich mit dem CIA zusammengearbeitet. Die Atombomben-Komponenten gingen aber nicht an Libyen sondern an Israel. Wenn Israel heute dank CIA und den Tinners über die Atombombe verfügt dann ist tatsächlich die Brisanz gegeben, dass Gerichtsakten unverzüglich vernichtet werden müssen und die USA alles Interesse daran haben, dass alles unter dem Deckel bleibt. Die Tinners bleiben trotz Atomschmuggel auf freiem Fuss weil ein Prozess unweigerlich die Hintergründe ans Licht bringen würde.
Ein solcher Sachverhalt würde auch erklären, wieso in der Schweiz eine PUK, die das ganze UBS-Debakel hinterleuchtet hätte, mit allen Mitteln verhindert worden ist. Eine PUK hätte vermutlich auch Zugang zu den verbliebenen, nicht geschredderten Geheimpapieren verlangt. Die Veröffentlichung von gesicherten Fakten zu dieser Hypothese würde die Welt vermutlich in eine weitere, äusserst gefährliche Krise stürzen.